Von der Strategie zur Umsetzung – wie Interim Manager nachhaltige Wirkung schaffen

 

Christian Hübscher ist Interim Manager mit Schwerpunkt indirekter Einkauf und verfügt über mehr als 30 Jahre Führungserfahrung in internationalen Konzernen. Sein Fokus liegt auf der strategischen Weiterentwicklung von Einkaufsorganisationen, nachhaltiger Kosteneffizienz und vor allem auf der konsequenten Umsetzung von Veränderungen.

Sein Einsatzspektrum reicht von der Überbrückung von Führungspositionen bis hin zur Begleitung komplexer Transformationsprojekte – immer mit dem Ziel, Einkaufsorganisationen messbar leistungsfähiger und zukunftsfähiger aufzustellen.

„Der indirekte Einkauf wird häufig unterschätzt, obwohl er maßgeblich über Effizienz, Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens mitentscheidet.“

Christian Hübscher

TALENT-net:

Christian, der indirekte Einkauf erhält in vielen Unternehmen weniger Aufmerksamkeit als der direkte Einkauf. Warum wird seine Bedeutung häufig unterschätzt?

Christian Hübscher:
“Grundsätzlich ist anzumerken, dass angesichts steigender Erwartungen an Kostenkontrolle, Nachhaltigkeit und Risikofähigkeit die Beschaffung indirekter Materialien die gleiche strategische Aufmerksamkeit verdienen sollte, die der direkten Beschaffung seit langem zuteilwird.

In der Praxis sprechen wir nicht selten von 30 – 50 Prozent des gesamten Einkaufsvolumens im indirekten Einkauf. Der indirekte Einkauf ist längst kein reiner Kostenfaktor mehr, sondern ein strategischer Partner der Geschäftsführung. Er sorgt für schlanke Prozesse, schützt vor rechtlichen Risiken, treibt die Nachhaltigkeit voran und hebt verborgene Renditeschätze, die sonst ungenutzt im Unternehmen verpuffen würden.

Deshalb sollte der indirekte Einkauf stärker als strategische Funktion verstanden werden – nicht ausschließlich als administrative Aufgabe. Typische Warengruppen sind beispielsweise IT-Hard- und Software, Fuhrpark, Marketing, Externe Arbeitskräfte, Facility Management oder Beraterverträge.”

TALENT-net:

Welche Herausforderungen begegnen dir in indirekten Einkaufsorganisationen besonders häufig?

Christian Hübscher:
“Die Einkaufsorganisation ist nicht auf die Besonderheiten des indirekten Einkaufs abgestimmt. Es fehlen oft die Trennung von operativen und strategischen Beschaffungstätigkeiten und Lead Buyer-Konzepte. Auch die internationale Abdeckung einzelner Warengruppenstrategien wird nicht betrachtet.

Ein weiteres Thema sind fehlende Skaleneffekte. Durch das Bündeln von Bedarfen über verschiedene Standorte oder Länder hinweg, lassen sich drastische Preisnachlässe erzielen. Eine hohe Anzahl an Lieferanten erhöht die Komplexität und verhindert oft, vorhandene Potenziale zu nutzen.

Auch fehlen nicht selten transparente Messgrößen, um den tatsächlichen Wertbeitrag des Einkaufs sichtbar zu machen. Fragen nach ROI, Performance oder Risikomanagement bleiben dadurch unbeantwortet.
Zudem eignet sich der indirekte Einkauf aufgrund seiner Standardisierbarkeit perfekt als Treiber für Digitalisierung und KI im Unternehmen. Durch den Einsatz von E-Procurement-Tools, automatisierten Rechnungsprüfungen und KI-gestützten Arbeitsschritten zeigt der indirekte Einkauf, wie moderne, schlanke Einkaufsprozesse aussehen können.

"Strategien und Konzepte sind wichtig – messbare Ergebnisse entstehen jedoch erst durch konsequente Umsetzung.“

Christian Hübscher

TALENT-net:

An dieser Stelle kommen Interim Manager ins Spiel. Was unterscheidet deinen Ansatz von klassischen Beratungsleistungen?

Christian Hübscher:
“Beratungsleistungen und Interim Management erfüllen unterschiedliche Aufgaben – beide sind sinnvoll und ergänzen sich bestenfalls. Der wesentliche Unterschied liegt in der Verantwortung für die Umsetzung. Interim Manager entwickeln nicht nur Maßnahmen, sondern begleiten deren Realisierung innerhalb der Organisation. Sie übernehmen Führungsverantwortung, steuern Projekte und arbeiten gemeinsam mit Teams an der konkreten Umsetzung.

Erfahrungsgemäß entsteht nachhaltiger Erfolg nicht allein durch Konzepte, sondern dadurch, dass Veränderungen tatsächlich im Alltag verankert werden.”

TALENT-net:

Deine Einsätze reichen von Vakanzüberbrückungen bis hin zu Transformationsprojekten. Wie vielfältig ist die Rolle von Interim Management heute?

Christian Hübscher:
“Die Anforderungen sind sehr unterschiedlich, komplex, aber immer spannend!.
In einigen Fällen geht es darum, kurzfristig Führungsverantwortung zu übernehmen oder personelle Engpässe zu überbrücken. In anderen Situationen stehen umfangreichere Veränderungen im Mittelpunkt – beispielsweise die Neuausrichtung von Einkaufsorganisationen, die Einführung neuer Steuerungsmodelle oder die Optimierung von Lieferantenstrukturen.

Diese Vielfalt macht Interim Management aus: kurzfristig Stabilität schaffen und gleichzeitig langfristige Entwicklungen unterstützen. Entscheidend ist dabei, schnell wirksam zu werden und gleichzeitig nachhaltige Strukturen aufzubauen.”

"Interim Management bedeutet nicht nur kurzfristige Unterstützung – entscheidend ist, Strukturen zu schaffen, die auch langfristig Bestand haben.“

Christian Hübscher

TALENT-net:

Wie gelingt es dir, Akzeptanz zu schaffen und Veränderungen wirksam umzusetzen?

Christian Hübscher:
„Durch fachliche Kompetenz, Verlässlichkeit und nachvollziehbare Ergebnisse.
Veränderungen werden eher akzeptiert, wenn sie nachvollziehbar sind und einen konkreten Nutzen schaffen.

Deshalb lege ich großen Wert darauf, Teams – Einkauf und Fachbereiche – einzubeziehen und gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.”

TALENT-net:

Abschließend: Welche Empfehlungen würdest Du Unternehmen geben, die ihren indirekten Einkauf zukunftsfähiger aufstellen möchten?

Christian Hübscher:
„Aus meiner Sicht sind folgende Punkte besonders wichtig:

Erstens sollte der indirekte Einkauf stärker als strategische Funktion verstanden werden – nicht ausschließlich als operative Einheit.

Zweitens ist die organisatorische Berücksichtigung von strategischen und operativen Beschaffungsaktivitäten und Lead Buyer-Konzepten zu berücksichtigen.

Drittens ist die Transparenz der operativen Ausgaben entscheidend. Ohne belastbare Messgrößen bleibt der tatsächliche Wertbeitrag des Einkaufs schwer messbar.

Viertens lohnt es sich, bestehende Skaleneffekte und Volumensbündelungen zu realisieren und daraus auch die passende Lieferantenstruktur zu entwickeln.

Fünftens sollten Unternehmen den Kompetenzaufbau in Bereichen wie Digitalisierung, moderne Einkaufsmethoden und Performance-Steuerung gezielt fördern.

Und abschließend zeigt die Erfahrung: Gute Ansätze entfalten ihren Nutzen erst dann, wenn ausreichend Kapazität für die Umsetzung vorhanden ist und die konsequente Umsetzung über eine längeren Zeitraum gewährleistet wird.

Vielen Dank für das Gespräch!