23. April 2019

Einkäufer als Enabler

Axel Butterweck, unser Geschäftsführer der TALENT-net Schweiz, beschäftigte sich auf dem 12. Internationalen Bodensee-Forum für Einkauf und Materialwirtschaft mit der Frage "Einkäufer 4.0 - Was macht der Einkäufer dabei?". Lesen Sie im Weiteren den Beitrag des BME's über seinen Vortag zu To-Do's, Voraussetzungen, Herausforderungen und vielem mehr.

Mit der Frage „Einkauf 4.0 – Was macht der Einkäufer dabei?“ beschäftigte sich Axel Butterweck, Geschäftsführer der TALENT-net (CH) GmbH, in seinem Statement. Der ehemalige Konzerneinkaufsleiter der Schweizer Post, Bern, sieht seinen Berufsstand als Enabler der digitalen Transformation. Schließlich kenne der Einkäufer seine Firma, die Innovationen seiner Lieferanten, die kommenden Veränderungen und die Geschäftsrisiken am besten. Bevor er sich jedoch mit den Chancen und Herausforderungen von Einkauf 4.0 auseinandersetze, sollten einige Aufgaben bereits erledigt sein. Dazu zähle laut Butterweck beispielsweise eine mit dem gesamten Unternehmen abgestimmte und von den Stakeholdern freigegebene Beschaffungsstrategie. Darüber hinaus sollten die Lieferantenstammdaten von hoher Qualität und Maverick Buying in allen Unternehmensbereichen kein Thema mehr sein. 

Damit Industrie 4.0 und Einkauf 4.0 erfolgreich im Unternehmen realisiert werden könnten, seien vom Einkauf zunächst eine Reihe wichtiger Fragen zu klären: „Welche neuen Entwicklungen gibt es in den Beschaffungsmärkten, aber auch mit Blick auf das eigene Geschäftsmodell? Welche Auswirkungen haben diese auf Strategie, Governance und Compliance?“, listete Butterweck weitere To Dos auf. Offene Punkte seien zudem, wie sich das Procurement künftig aufstelle, welche Organisationsformen es wähle und wo genau Kapazitäten gegebenenfalls umgebaut werden müssten. Butterweck wagte auch einen Blick in die Glaskugel. So werde seiner Ansicht nach „der operative Einkauf sterben. Wir wissen nicht wann, aber es wird passieren.“ Der Einkauf sollte die Zeit bis dahin nutzen und überlegen, wie er den digitalen „Change begleiten kann“. 

Einkauf 4.0 bedeute künftig auch, dass Lieferantendaten in ein digitales Lieferantennetzwerk überführt werden. Butterweck zeigte sich überzeugt, dass die Schnittstellenbeziehung zwischen Einkauf, Entwicklung, Produktion und Supplier noch intensiver und vor allem schneller wird. Und: Die Suche nach neuen innovativen Lieferanten werde zur Daueraufgabe. 

Ein weiterer, von Butterweck angesprochener Aspekt: Die von den neuen digitalen Technologien und Geschäftsmodellen ausgehenden Veränderungen stellten höhere Anforderungen an das Risikomanagement. Angesichts der Fülle an Aufgaben und Veränderungen empfahl er den Teilnehmern des diesjährigen Bodensee-Forums, mögliche Ängste und Ablehnung gegenüber bevorstehenden Veränderungen zu akzeptieren und ihnen mit einer guten Kommunikation entgegenzutreten: „Sie haben die Chance, den Einkauf als kompetenten Partner der Zukunft auf Augenhöhe zu gestalten.“ Trotz bevorstehender Umbrüche sollte der Einkauf seine „Passion“, wie Butterweck es formulierte, nicht vergessen: „Er muss sich etwas zutrauen, sonst ist er bald weg vom Fenster.“ Klar sei für ihn aber auch, dass trotz KI und Big Data „der Mensch weiterhin den Unterschied macht“.

Quelle: BME, www.bme.de, Autor Frank Rösch, Artikel vom 10.04.2019